Analytical Reviews

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Trader sollten den US‑Dollar nicht unterschätzen
10:49 2026-05-13 UTC--4

Positive Aussichten für den Ölmarkt, ein sich stabilisierender Arbeitsmarkt und ein Anziehen der Inflation in den USA – was braucht es noch, um den Greenback zu stärken? Der US-Dollar dürfte von einer hohen Nachfrage als sicherer Hafen angesichts des Konflikts im Nahen Osten profitieren. Tatsächlich sind die USA Nettoexporteur von Energieträgern. Die Robustheit der US‑Wirtschaft erlaubt es der Federal Reserve, weitere Zinserhöhungen in Betracht zu ziehen. Dennoch fällt EUR/USD nicht in Eile. Warum?

Bank of America ist der Ansicht, dass die Wahrscheinlichkeit weiterer Straffungen durch die Fed unterschätzt wird. Der Terminmarkt preist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 35 % für eine Anhebung des Federal‑Funds‑Satzes im Jahr 2026 ein. Die Derivatemärkte erwarten, dass dies frühestens im März des kommenden Jahres geschieht. Anleger berücksichtigen den Kevin‑Warsh‑Faktor sowie die Sichtweise einiger FOMC‑Mitglieder, dass die Geldpolitik das Wirtschaftswachstum bereits bremst. Zudem sorgt sich die Federal Reserve wegen des schwelenden bewaffneten Konflikts im Nahen Osten.

Entwicklung von Beschäftigung, Treasury‑Renditen und dem Federal‑Funds‑Satz

Bank of America ist überzeugt, dass die Märkte falschliegen. Ja, Kevin Warsh wurde von Donald Trump ernannt, der keinen Hehl aus seinem Wunsch nach niedrigeren Zinsen macht. Wenn ihre Ansichten auseinandergegangen wären, hätte der Präsident wohl jemand anderen ausgewählt. Aber eine einzelne Person kann es nicht allein richten. Selbst wenn ein neuer Fed-Vorsitzender für eine lockerere Geldpolitik eintritt, werden andere FOMC-Mitglieder ihn wahrscheinlich nicht unterstützen. Der Warsh-Faktor wird sich nicht durchsetzen.

Die finanziellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deuten nicht darauf hin, dass die Geldpolitik das BIP-Wachstum bremst. Im ersten Quartal stieg das reale BIP um 2 %, die Beschäftigung legte in drei der vergangenen vier Monate um 100.000 oder mehr Stellen zu, und die Verbraucherpreise haben auf den höchsten Stand seit drei Jahren angezogen. Hinzu kommt, dass die Aktienindizes immer wieder neue Rekorde markieren – ein klarer Hinweis darauf, dass die US-Wirtschaft in guter Verfassung ist. Sie kann höhere Zinsen verkraften.

Schließlich ist der US-Konsum trotz des Konflikts im Nahen Osten und des damit verbundenen Anstiegs der Benzinpreise stabil geblieben. Die Fed muss sich nicht übermäßig um die Geopolitik sorgen, solange die Binnennachfrage robust ist.

EZB-Prognose für Wirtschaft und Inflation

Die Wirtschaft der Eurozone wirkt deutlich schwächer als die der USA. In Frankreich ist die Arbeitslosenquote auf 8,1% gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht, was die Aussagen des Ratsmitglieds Olli Rehn über erste Anzeichen eines stagflationären Schocks untermauert.

Unter diesen Bedingungen wird es für die EZB äußerst schwierig sein, die Geldpolitik zu straffen. Die Prognosen des Terminmarkts von 2–3 Anhebungen des Einlagensatzes könnten sich als falsch erweisen.

Technisch gesehen bewegt sich EUR/USD im Tageschart von der oberen zur unteren Spanne des Fair‑Value‑Bereichs von 1,169–1,178. Es ergibt Sinn, Short-Positionen, die ab 1,178 eröffnet wurden, zu halten und sie auszubauen, falls sich die Gemeinschaftswährung unterhalb der Unterstützungsniveaus bei 1,170 und 1,168 stabilisiert.

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